Institut für Volkskunde
der Deutschen des östlichen Europa
IVDE Freiburg
 
Quartalsbild 4/2018

Gänse auf dem Weg zur Hüteweide

Ein Mädchen treibt mithilfe eines Hütehundes die Gänse zur Weide. Meist waren Kinder damit betraut, auf die Gänse aufzupassen – in Gakowa (Batschka) beispielsweise wurden die Gänse in zwei Herden (Gänshalt) gehalten, die jeweils von einem Gänsehirten gehütet wurden.

Außer dem Fleisch, dem Schmalz und den Eiern der Gänse fanden auch deren Federn Verwendung. Mathilde Welk aus Kobadin (Dobrudscha) schildert, dass die Gänse mehrmals gerupft wurden. Federn, die man selbst nicht brauchte, wurden verkauft. In der Chronik von Betschmen (Syrmien) heißt es: „Die Federkissen hielten bis in unsere Zeit hinein tatsächlich eine Generation und länger von der Großmutter, weil die Tiere nicht wie heute schon nach ein paar Wochen geschlachtet wurden, sondern erst nach einem nahrhaften Sommer, der ihnen Fleisch auf die Knochen brachte und auch ihre Federn kräftig und elastisch hatte werden lassen.“

Martini (11. 11.) gilt als Beginn der Schlachtzeit. Bis dahin wurden die Gänse gemästet, damit sie fett genug waren. Neben dem eigenen Verzehr diente die Martinsgans mancherorts auch als Lohn für den Lehrer oder den Pfarrer, wie aus dem Ort Betschmen berichtet wird.

Quellen:
Helmlinger, Benedikt (Hg.): Bukiner Heimatbuch. Werdegang, Aufstieg und Untergang der deutschen Gemeinde Bukin in der Batschka/Jugoslawien. Magstadt 1974, S. 143.
Sorg, Christian Andreas (Hg.): Die Deutschen aus Betschmen Syrmien. Chronik einer 200-jährigen Wanderung 1784–1984. Bisingen 1983,
S. 325 f.
Stein, Ignatz; Nuber, Stefan (Hg.): Gakowa: Entstehung und Niedergang einer deutschen Gemeinde in der Batschka. Blaubeuren 1974, S. 154.
Welk, Mathilde: Von der Geflügelzucht bei uns zu Hause. In: Jahrbuch der Dobrudschadeutschen, 1966, S. 166 f.

Bildarchiv: Teresa Volk
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